04 PoLiTIKEn
dEr*sORGE

Die Corona-Krise aus (queer-)feministischer Perspektive

Schon vor Covid-19 befand sich die Gesellschaft in einer Sorge-Krise. Sorge-Arbeit ist prekär organisiert, schlecht bezahlt, wenig anerkannt und wird zumeist von (migrantischen) Frauen* übernommen. All dies spitzt sich nun zu: Im Gesundheits- und Pflegesystem fehlt es an Personal und Schutzausrüstung und die Schließung von Kitas und Schulen führt zu einer immensen Mehrbelastung von v.a. Frauen*. Insbesondere „systemrelevante Arbeiter*innen“, die die Gesellschaft stützen, sind vermehrt dem Risiko einer Ansteckung ausgesetzt, werden aber dennoch weiterhin nur schlecht entlohnt. Zudem zeigt sich, dass das Zuhause für viele kein Ort des Schutzes, sondern von Arbeit, Ausbeutung und Gewalt ist. Wie wird bestimmt, welche Tätigkeiten (gut) bezahlt werden und welche nicht? Welche Prinzipien und welche Geschlechterkonstruktionen liegen diesen Unterscheidungsprozessen zugrunde? Warum ist die heteronormative Familie kein Ort der Sicherheit für Alle? Warum gib es keine Rettungspakete für Sexarbeiter*innen? Braucht es eine Care-Revolution in der Corona-Krise? Und wenn ja, wie kann diese auszusehen?

Podcast

pOLiTIKeN
dER*SoRgE

von Sara Kirch, Gunnar Bantz, Mika Backhaus, Jakob Streif, Renée Gerber. Aufgenommen am 16.05.2020.
00:34Einführung
02:17Politiken der Sorge und Machtverhältnisse
09:10Die Krise der sozialen Reproduktion in der Covid-19-Pandemie
17:00Sich verschlimmernde Zustände oder ein Paradigmenwechsel in den Politiken der Sorge?
22:20Care-Revolution in Corona-Zeiten
So schwer es auch
zu akzeptieren ist,
Menschen sind als
Säugetiere eben
keine sauberen
und autonomen Wesen,
sondern machen Dreck
und sind auf andere
Menschen angewiesen.
Podcast

ALlTag#iN DeR
cOronA-KrIsE

Von Eike Sass, Marcel Gottlieb, Lukas Hadré. Aufgenommen am 30.06.2020.
00:20Einführung
01:54Wenn das Zuhause kein Ort von Sicherheit ist
06:11Lebensrealitäten außerhalb eines eurozentrischen Blicks
08:25Veränderungen in den Geschlechterverhältnissen
11:07Lektionen aus der Krise
Das Zuhause ist für viele Leute
ein Ort der Abhängigkeitsverhältnisse,
patriarchaler Elternschaft und
häuslicher und sexualisierter Gewalt.
Hör-Collage

my-BodY-MY-choIcE-
kämPfe iN DEr CorONa-kRiSe

Eine Hör-Collage von Stimmrecht gegen Unrecht. Aufgenommen am 15.09.2020.
00:02My Body My Choice – Abtreibung als feministisches Thema
03:10Keep abortion legal and safe – Rechtliche Lage in Deutschland
08:09Abortion in Crisis – Abtreibung während der Coronapandemie
10:32One struggle one fight – Abtreibung International
16:44Nehmt eure Kreuze aus unserem Uterus – Pro Choice Aktivismus
Der Staat gefährdet
systematisch die
Gesundheit der
ungewollt Schwangeren.
Podcast

ScHwaNgERsChAFtSAbBrüCHE,
sEXUELlE uND reprOduKTIve gESUnDHEIT
In dER covId-19-pAndEMIE

Ein Gespräch mit Svenja. Aufgenommen am 15.09.2020.
02:34Der Weg zum Schwangerschaftsabbruch
06:24Auswirkungen der Pandemiebekämpfungsmaßnahmen auf die reproduktive Gesundheit
13:49Die Debatte um den „home-use“
17:04Selbsthilfe, wenn der Staat aussetzt
19:02Wege aus der Krise
Hätte irgendjemand
jemals darüber diskutiert,
keine Blinddarmdurchbrüche
mehr zu operieren?
Podcast

sExarBEit IN dER
cORonA-KrISE

Ein Gespräch mit maiz. Aufgenommen am 22.09.2020.
01:25Vorstellung von Leticia und dem autonomen Zentrum maiz
05:43Der Arbeitsbereich „Sex und Arbeit“ bei maiz
14:09Sexarbeit in der Corona-Pandemie
19:37Corona-Maßnahmen in Österreich
22:06Arbeitsschutz für Sexarbeiter*innen
People who work
as sex workers
deserve to be
recognized and
their work deserves
to be recognized
and to have protection.
INTERVIEW

INtErNAtiOnaLer TaG
dEr SeXARBeIt

Interview mit Nittribitt e.V. von F*-Streik – feministisches Streik-Bündnis Bremen. Vom 02.06.2020.

Wie ist die Situation ganz aktuell für Sexarbeiter*innen?

S: Der Lockdown für Sexarbeiter*innen gilt seit dem 18. März, seitdem haben bordellartige Betriebe, z.B. die Helenestraßeim Viertel geschlossen. In Bremen haben wir vorwiegend Wohnungsprostitution, diese ist von diesen Auflagen natürlich auchbetroffen. Eigentlich dürfen Sexarbeitende nicht in dem Zimmer wohnen, in dem sie auch arbeiten, dieses Verbot wurde jetztvom Familienministerium geändert, damit die Sexarbeitenden zumindest erstmal in ihren Wohnungen bleiben dürfen. Da istdie Situation unterschiedlich, es ist zu Teil zu Mieterhöhungen gekommen und viele Klient*innen können ihre Mieten nichtbezahlen. Durch das Ausreiseverbot hatten Viele nicht mehr die Möglichkeit in ihr Heimatland zurückzukehren und sindnicht nur arbeits- sondern auch wohnungslos geworden. Insbesondere aus Bulgarien und Rumänien stammendeSexarbeiter*innen sind häufig sogenannte Armutsprostituierte, die ihre Familie und Kinder versorgen, diese finanzielleUnterstützung bricht nun weg.

Zum Weiterlesen das komplette Interview als PDF herunterladen.

Man spricht den
Sexarbeiter*innen ab,
eine eigene Entscheidung
über ihren Körper
und ihr Leben
treffen zu können.
Essay

WE’Re aLl iN tHIs TOGethEr!’ – oDeR?
DIE COrOna-kRiSE aUs FemINIStIschER PerSpEktive.

Von Leonie Tasse. Vom 13.05.2020.

Ich war bestimmt nicht die einzige, die sich ein kleines bisschen über das virtuelle get-together der High School Musical Stars gefreut hat, bei dem sie aus ihrem jeweiligen Wohnzimmer die Choreografie zu „We’re all in this Together“ performten. Und immer wieder hört man, Corona betreffe uns alle und habe jetzt höchste Priorität. Wenn ich die Nachrichten anschaue, erfahre ich mehr über aktuelle Fallzahlen und Eindämmungsmaßnahmen in allen Teilen der Welt als über (Bürger-)Kriege, regionale Konflikte oder den Klimawandel. Und wenn sich sogar die Mitgliedsstaaten der EU zu einem so ungewöhnlichen Finanzierungsprojekt durchringen können, wie sie es im Juli getan haben, möchte man fast meinen, die Pandemie könnte uns begreiflich machen, was es bedeutet, im selben Boot zu sitzen.
 

Tatsächlich aber hat sich sich im Hinblick auf die grundlegende Politik vieler Regierungen wenig geändert. Sie sprechen von einer globalen Krise und beantworten diese mit nationaler Abschottung und Kriegsmetaphern, während strukturelle Faktoren übergangen werden und die angepriesene Solidarität spätestens vor den Toren der überfüllten Flüchtlingslager endet. Es wird offensichtlich, dass trotz jahrelanger Warnungen aus diversen Disziplinen der Wissenschaft kein adäquates, präventives, internationales Krisenmanagement entwickelt worden ist. Politik bleibt reaktiv und ist deshalb in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt. (...)

polItIK BLEIbt reaKTiv
UNd isT DEsHaLB
In ihREM
hAnDlUNgssPieLrAuM
eInGeSchränKT.
Essay

DiE geSChLEcHteR-
dYnAMiKeN dEr
COvId-19 kRiSe

Von Kea Frontzek. Vom 14.05.2020.

Die Corona Pandemie stellt alle – Regierungen sowie die gesamte Bevölkerung und das gesellschaftliche Leben – vor besondere Herausforderungen: Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote, Kita- und Schulschließungen, das Herunterfahren der Wirtschaft und die erhöhte Arbeitsbelastung für Arbeiter*innen in sogenannten systemrelevanten Berufen sind nur einige Beispiele dafür.

Die Last dieser Herausforderungen und Probleme, sowie die Risiken und Gefahren des Virus sind jedoch nicht gleichermaßen auf alle verteilt. Vor dem Virus sind eben nicht alle gleich. Kimberlé Crenshaw bezeichnet dies sehr passend als „disproportional vulnerability“. Um die Auswirkungen der Corona-Krise –die den Virus mit seiner Gefahr an sich, aber auch die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung dessen Ausbreitung beinhalten – annähernd umfassend zu begreifen, bedarf es mehrerer Perspektiven und Blickwinkel, die diese Auswirkungen beleuchten. Es muss auf die spezifischen Umstände und Situationen aller Menschen eingegangen werden, und besonders auf die derer, die von Diskriminierung, sowie von deren Kombinationen betroffen sind. Ein feministischer und intersektionaler Blick, sowie das Konzept der feministischen Neugierde von Cynthia Enloe sind dabei unverzichtbar und offenbaren dabei auch – aber nicht nur – die Geschlechterdimensionen und -dynamiken der Corona-Krise, auf die im Folgenden eingegangen wird.

Warum feministische Neugierde und Perspektiven jetzt wichtig sind

Eine feministische Neugierde stellt dabei die Frage, wo die Frauen* sind – in der Politik, der Gesellschaft und sonst überall. Sie stellt Machtfragen und offenbart damit Machtstrukturen, sowie Geschlechterrollen und -dynamiken, die sonst als gegeben oder bedeutungslos angesehen würden. Sie erweitert den Horizont des Politischen auf das Private, das sonst als unpolitisch und irrelevant abgetan wird. Und gerade zu Beginn der Pandemie, als sich das Leben stärker auf das Private reduzierte, Arbeitsplätze ins Home-Office verlagert wurden, das Zuhause kaum verlassen werden konnte/durfte und durch verstärkte Unsicherheiten Angst, sowie (psychischer) Stress deutlich zunahm, ist das Private so wichtig, präsent und politisch wie selten zuvor.

ein feministischer und
intersektionaler blick ist
unverzichtbar und offenbart
die geschlechterdimensionen
und -dynamiken
der corona-krise.
Podcast

SORge- uND
CArE-arbEit

Von Franziska Salewski, Sarah Werner und Sonja Bastin. Aufgenommen am 29.09.2020.
01:26Ein Gespräch mit Sonja Bastin
03:30Pflege- und Sorge-Arbeit in Zeiten von home-schooling und home-office
13:05Re-Traditionalisierung von Geschlechterverhältnissen und strukturelle Benachteiligungen
17:00Für mehr Gleichberechtigung und geschlechtersensible Politiken der Sorge
Es wirkt so,
als würde das
traditionelle
Familienbild
während der
Corona-Krise
wieder
aufblühen.